Fahrt nach Pinnow am 21.07.2013

Meine Frau und ich hatten meinem Schwiegervater Horst Kurth vorgeschlagen, seine Heimat in Pinnow (Kreis Regenwalde) noch einmal zu besuchen. Auch wir wollten noch einmal sehen, wo Horst augewachsen war.

Für Horst war es die zweite Reise nach der Vertreibung im Jahre 1947 – damals mit meiner Schwägerin Bettina 1989.

Da Pinnow (polnisch Pniewo, Koordinaten 53.899138, 15.405420) ca. 450 km von Kiel entfernt ist – hierfür müssen mindestens sechs Stunden Autofahrt eingeplant werden -, hatten wir eine Übernachtung auf Usedom (Koserow) eingeplant. Am 21.07.2013 bei Temperaturen um 30 Grad in einem zum Glück klimatisierten Auto fuhren wir dann von Usedom über Swinemünde (Swinoujscie) , Wollin (Wolin) und Plath (Ploty) nach Pinnow (Pniewo).

Altes Lebensmittelgeschäft der Familie Schmechel – siehe auch Beitrag zur Flucht und Vertreibung von Eckard Schmechel. In diesem Geschäft werden auch heute noch Lebensmittel verkauft.
Hier ist noch ein alter Schriftzug am Haus der Fleischerei Paul Harp zu erkennen
Einige Häuser sehen so aus, als wenn diese nach dem Krieg noch nie grundlegend saniert wurden (hier Landwirtschaft Albert Zirbel)
Evangelische Kirche, erbaut Ende 18. Jh. In Pinnow gab es auch eine altlutherische Kirche, die 1903 erbaut und am 3. März 1945 von den Russen durch einen Panzereinschuss zerstört wurde; bis 1956 wurden die letzten Mauersteine abgetragen.

Nachdem wir uns den Ort an der Hauptstraße 6 angesehen hatten, setzten wir unsere Fahrt über staubige Feldwege zum früheren Köhler-Hof fort. Dort trafen wir eine polnische Familie, die uns herzlich bergrüßte. Leider war zunächst nur eine Kommunikation „mit Händen und Füßen“ möglich, da die Familie kein englisch oder deutsch und wir kein polnisch sprechen konnten. Der Zufall kam uns zur Hilfe: Der polnische Landwirt wusste von einem Besuch eines Polen auf einem Nachbarhof, der in Deutschland arbeitete und einige Tage in seinem Heimatort verbrachte. Der Pole wurde herbeigerufen und nahm gerne die Rolle des Dolmetschers ein.

Diese Höfe hatten wir besucht
Staubiger Feldweg zum Hof Köhler (Lüssow), aber herrliche Landschaft
Ehemaliger Hof Köhler: Gruppenfoto der polnischen Familie (fünf Personen links) und von uns (drei Personen rechts)
Diese Kanne wurde kurz vorher auf dem Acker gefunden. Wahrscheinlich wurde diese bei der Vertreibung vergraben. Aber wem gehörte diese Kanne?
Blick auf den „Köhler See“ (Lüssower See); dieser See gehörte zum Hof Köhler

Der polnischen Familie gehörte auch der Charlottenhof – hier wuchs mein Schwiegervater auf – , der nur noch als Weidefläche genutzt wurde – von den ursprünglichen Gebäuden war nahezu nichts mehr zu sehen. Bei der Fahrt dorthin hatten wir ein wenig Angst um unser Auto, da der Feldweg eigentlich nur noch von einem Traktor befahrbar war. Aber im Schneckentempo kamen wir unbeschadet an.

Feldweg vom Köhler-Hof zum Charlottenhof
Charlottenhof: Hier stand mal das Haupthaus
Charlottenhof: Haupthaus vor der Vertreibung
Charlottenhof: Nur einige Mauerreste sind noch vom Haupthaus zu sehen; hier offensichtlich ein Mauerstück vom Treppenaufgang  zum Haupteingang
Charlottenhof: Vom Nebengebäude ist noch ein wenig mehr zu sehen
Das alte Trafohäuschen steht noch

Es war für uns ein besonders emotionaler Moment, einige Gemäuerreste des alten Charlottenhofes zu entdecken und uns dabei vorzustellen, wir hier früher gelebt und gearbeitet wurde. Auch die alten Kirschbäume fand mein Schwiegervater wieder und zeigte uns seine kleine Kirschernte.

Ehemaliger Nachbarhof von Paul Kurth, Onkel von meinem Schwiegervater Horst Kurth
Paul und Klara Kurth mit Sohn Rudi vor ihrem damaligen Hof (erbaut 1922)
Ehemaliges Tagelöhnerhaus (zuletzt Wohnhaus des Landwirtes Hermann Janke und seiner Familie)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.