Einleitung

Unsere Wichert’s stammen aus Franken. Der Kern ist bis heute in Oberfranken anzutreffen, ein großer Teil in dem oberfränkischen Ort Sassanfahrt.

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts lässt sich unsere Familie aktuell zurückverfolgen. Dabei hat sich der Name möglicherweise verändert: So taucht bei unserem Urahn Conrad Johann (~1740 bis 1793) die Schreibweise „Wichard“ auf; das kann aber auch einfach damit zusammenhängen, dass nicht jeder seinen Namen buchstabieren konnte.

Ein Zusammenhang mit den Wichert’s aus den ehemaligen ostdeutschen Gebieten ist nicht erkennbar. Im Internet sind hierzu entsprechende Forschungsergebnisse der Interessengemeinschaft Wichert erwähnenswert. Zwischen den dort erforschten vorwiegend ehemals ostdeutschen Linien mit ca. 15.000 Personen (davon ca. 2.500 Wichert’s) gibt es keine Verbindung zu meiner Linie. Einige Daten wurden aus früheren Recherchen unserer Ahnen übrigens in diese Online-Datenbank übernommen; diese sind allerdings nicht mehr aktuell (und teilweise sogar falsch). Mit dem Tod des Mitbegründers Jürgen Wichert am 25.7.2011 wurde diese Datenbank offensichtlich leider nicht mehr oder nur unwesentlich erweitert.

In den ersten vier nachfolgenden Generationen sind einige Wichert’s der Schafzucht nachgegangen, andere waren Landwirte oder einfache Handwerker.

Bis heute sind unsere Wichert’s hauptsächlich katholischen Glaubens gewesen, so dass im Wesentlichen die Archive der katholischen Kirche (hier vor allem das Archiv des Erzbistums Bamberg) Informationen über die Geburts-, Hochzeits- und Sterbedaten lieferten.

Überblick

Nachfolgend ein grober Überblick über meine Ahnenlinie Wichert. Detaillierte Informationen, insbesondere über die weitverzweigten Linien, sind in meiner Datenbank enthalten.

Die Linien der Wichert’s sind weit verzweigt. Ich habe mich bei dieser Darstellung auf meine Vorfahren und ihrer direkten Nachfahren konzentriert. Die Schafe symbolisieren den Beruf des Schäfers. Die entsprechend markierten Wichert’s gingen diesem Beruf nach.

Conrad Wichert (Wichard), geb. um 1740 in Oberschwarzach (1. Generation)

Der Schäfer Conrad Wichert (oder Wichard) starb in Adelsdorf am 16.02.1793 im Alter von 53 Jahren (Quelle: Kirchenbuch Adelsdorf, Erzbistum Bamberg) und wurde damit wahrscheinlich im Jahre 1740 geboren. Sein Geburtsort war das unterfränkische Oberschwarzach. In dem nicht weit entfernten, damals oberfränkischen Adelsdorf (heute Mittelfranken) heiratete er die Bäuerin Anna Kunigunda Weber, geboren am 27.07.1746 in Buch, wahrscheinlich an Altersschwäche gestorben am 24.02.1827 in Adelsdorf, Haus Nr. 124 (Quelle: Kirchenbuch Adelsdorf). Anna war in einer Großfamilie mit sieben jüngeren Geschwistern aufgewachsen; ihre Eltern waren der Schafshirte Johann Weber (geboren um 1717, gestorben mit 55 Jahren am 13.01.1772 in Buch) und Anna Weber.

Eheschließung Conrad Wichard und Anna Weber am 9.11.1772, Quelle: Kirchenbuch Gremsdorf (Microfiche F17, Bd. 1/17, S. 27) (Quelle: Archiv Erzbistum Bamberg); Geburtsort war Oberschwarzach (Ortsname in der Mitte der dritten Zeile)
Im Jahre 1833 wurde die Schäferei in Adelsdorf erwähnt, die vermutlich im Ortsteil Aisch lag (aus Beschreibung des Königreichs Bayern aus dem Jahre 1833, Dr. Karl Friedrich Hohn, S. 418 und 419)

Der 32-jährige Conrad heiratete die 29-jährige Anna am 9.11.1772 in Gremsdorf. Aus dieser Ehe sind sieben Kinder hervorgegangen:

  • Anna Wichert, geboren am 18.05.1774 in Höchstadt, gestorben am 20.09.1842: Am 01.02.1797 heiratete sie in Adelsdorf den Badstubener (lat. „balneator„) Georg Conrad Siebenhaar. Weiteres ist hier nicht bekannt.
  • Katharina Wichert, geboren am 11.06.1775 in Buch (bei Höchstadt a.d. Aisch)
  • Elisabetha Wichert, geboren am 07.10.1778
  • Anna Maria Wichert, geboren am 18.05.1780 in Adelsdorf: Sie heiratete am 07.01.1807 in Adelsdorf den Glaser (lat. „vitrarius„) Johannes Nagengast, Sohn des Johann Georg Nagengast.
  • Der Schäfer Adam Wichert, geboren am 02.11.1782 in Adelsdorf, gestorben am 18.10.1854, zuletzt wohnhaft in Buttenheim: Er heiratete am 04.02.1816 in Buch die Bauersfrau Eva Katharina Schmitt, geboren am 12.02.1796 in Buch, gestorben am 07.06.1864, zuletzt wohnhaft in Altendorf (nächster Ort westlich von Buttenheim), Haus Nr. 29. Ihre Eltern waren der Schafshirte Andreas Schmitt mit seiner zweiten Frau Margaretha Ott (Heirat am 22.11.1784 in Buch), zuletzt wohnhaft in Buch (bei Höchstadt a.d. Aisch), Haus Nr. 14. Über weitere Nachkommen ist nichts bekannt.
  • Der Ziegler Johann Wichert, geboren am 10.07.1785 in Adelsdorf, gestorben am 23.09.1859, zuletzt wohnhaft in Neuhaus, Haus Nr. 38: Er heiratete am 22.08.1842 die Müllerstochter Katharina Martin, geboren um 1819, gestorben am 21.02.1887, zuletzt wohnhaft in Neuhaus, Haus Nr. 39: Möglicherweise war es aufgrund es Altersunterschiedes bereits die zweite Ehe. Die Eltern von Katharina waren der Müllermeister Johann Martin aus Herzogenrauch und Kunigunda Kauper. Die nachfolgenden Generationen waren in Höchstadt a.d. Aisch angesiedelt (dokumentiert bis Ende der 1960er Jahre).
  • Der Schäfer Peter Wichert, geboren am 10.02.1788 in Adelsdorf, gestorben am 14.10.1872 in Sassanfahrt: Die erste Ehe schloss er am 09.02.1813 in Hausen mit der Schäferin Anna Maria Margareta Übel, geboren um 1788 in Kleinseebach, gestorben am 26.10.1853 in Sassanfahrt (im Schloss). Aus dieser Ehe entstanden sieben Kinder. Anna’s Eltern waren Leonhard und Cunegunda Übel. Die zweite Ehe mit der Witwerin Getrud Endres aus Tütschengereuth (westlich von Bamberg) blieb kinderlos; die Heirat fand am 13.02.1854 statt. Über Peter berichte ich gleich detaillierter.
Ausschnitt einer Karte der Bayerischen Monarchie, 1816, mit gelb markierten Ortsnamen „Oberschwarzach“ (hier wurde Conrad 1740 geboren), „Adelsdorf“ und „Buch“ (hier lebte er mit seiner Familie ab ca. 1770), „Sassanfahrt“ (in diesen Ort zog sein Sohn Peter), „Buttenheim“ (in diesen Ort zog sein Sohn Adam), Höchstadt a.d. Aisch (hier lebten die Nachfolgegenerationen seines Sohnes Johann).
Hintergrund zur Karte: „…Sie wurde anlässlich des zweiten Pariser Friedens vom 20.11.1815 herausgegeben. Napoleons endgültige Niederlage bei Waterloo und seine anschließende dauerhafte Verbannung hatte auch für Bayern Konsequenzen, die sich in größeren territorialen Veränderungen, ausgehandelt auf dem berühmten Wiener Kongress, auswirkten. Das in seinem Bestand garantierte Königreich musste zwar Tirol und Vorarlberg an Österreich zurückgeben, welches sich auch das kurzzeitig unter bayerischer Herrschaft stehende Territorium Salzburg noch einverleibte, erhielt dafür jedoch in Franken die Territorien von Würzburg und Aschaffenburg hinzu und die linksrheinische Pfalz, die im napoleonischen Staatensystem zum Rheinbund gehört hatte, wurde zurückerstattet…“
Quelle: Bayerische Staatsbibliothek
Adelsdorf, damaliges Haus Nr. 124, hier wohnte wahrscheinlich Anna Kunigunda Wichert, geb. Weber, bis zu ihrem Tode am 24.02.1827, Foto: Georg Wichert, März 2016

Wer die Eltern von Conrad Wichert waren, haben wir noch nicht herausgefunden. Besonders engagiert war Michael Götz aus Buttenheim, ebenfalls ein Nachkomme von Conrad, der mir im Dezember 2015 nach einer Recherche im Würzburger Archiv folgendes schrieb (siehe auch Beitrag „Offene Punkte Ahnenforschung Wichert„):

„…habe nun endlich Ende November einen Tag im Archiv in Würzburg verbracht, jedoch konnte ich die Geburt des Conrad (Johann) Wichert nicht in den Kirchenbüchern von Oberschwarzach finden. Es gab dort aber einen Schäfer namens Caspar Wigert, der zweimal heiratete. Im Jahre 1718 [19.06.1718 in Oberschwarzach] eine Veronika Wiener (Schäferswitwe) und im Jahre 1735 [02.05.1735] eine Anna Stühler aus Eckersbach (bei Schlüsselfeld, Lkr.Bamberg). Mit letzterer hatte er von 1736 bis 1745 mindestens vier Kinder. Hieronymus, Johann, Karl Martin, Hieronymus, von denen zwei ( jeweils der Hieronymus) im Kindesalter starben. Zudem habe ich die Heirat eines evtl. weiteren Kindes, Melchior Johann (Wikert), im Jahre 1763 gefunden. Vermutlich handelt es sich bei Caspar Wigert und seiner Frau Anna höchstwahrscheinlich um die Eltern des Conrad Wichard., was aber bisher (noch) nicht bewiesen ist. Die Suche in benachbarten Orten nach Wigert/Wigart/Wichert war ebenfalls (noch) nicht erfolgreich. Der Caspar Wichert (* 1690, + 1754) stammte aus Reupelsdorf [südwestlich von Oberschwarzach] Woher dessen Eltern kamen, konnte ich auch noch nicht herausfinden.“

Peter Wichert, geb. 1788 in Adelsdorf (2. Generation)

Peter Wichert war das jüngste Kind von Conrad und Anna Kunigunda. Sein Vater war bereits 48 Jahre alt und seine Mutter 41 Jahre alt, als er am 10.02.1788 in Adelsdorf zur Welt kam. Sein Vater starb sechs Tage nach seinem fünfjährigen Geburtstag.

Peter Wichert (Petrus Wichard) wurde am 10.02.1788 in Adelsdorf geboren, Quelle: Kirchenbuch Adelsdorf (Microfiche F64, Bd. 6/5, S. 82)

Peter wurde Schäfer, so wie es seine Eltern waren. Er war wahrscheinlich in der Schäferei in Buch (bei Gremsdorf) tätig. Hier wurden auch einige seiner Kinder geboren.

Bereits im Jahre 1830 wurde die Schäferei in Buch erwähnt (aus Beschreibung des Königreichs Bayern aus dem Jahre 1830, Dr. Karl Friedrich Hohn, S. 348)
Das ehemalige Schäferhaus in Buch (Hnr. 18) wurde im 17. Jahrhundert erbaut und steht heute unter Denkmalschutz, Foto von Georg Wichert, 2015
Auch die Schafsscheune in Buch (HNr. 44, damals HN. 1), die zwischen 1602 und 1612 errichtet wurde, steht unter Denkmalschutz und wird heute als Wohnhaus genutzt. In den Kirchenbucheinträgen wird dieses Haus als Geburtsstätte von einigen Kindern von Peter Wichert genannt, Foto von Georg Wichert, 2015

Die erste Ehe schloss Peter am 09.02.1813 in Hausen mit der Schäferin Anna Maria Margareta Übel, ein Tag vor seinem 25. Geburtstag.

Hochzeitseintrag Peter Wichert und Anna Maria Uebel am 09.02.1813. Der Nachname von Peter und seines Vaters werden nun auch als „Wichert“ geschrieben und nicht – wie noch in seinem Geburtseintrag – „Wichard“, Quelle: Kirchenbuch Hausen (Microfiche F87, Bd. 3/53, S. 188)

Aus dieser Ehe entstanden sieben Kinder:

  • Anna Marg. Wichert, geboren am 22.01.1813 in Thurn (östlich von Buch) im Haus Nr. 42: Sie heiratete am 16.08.1836 in Großbuchfeld den gleichaltrigen Balthasar Kröppel, geboren am 06.07.1813 in Großbuchfeld (westlich von Buttenheim). Die Nachkommen sind teilweise bis heute noch in der Nähe von Buttenheim geblieben, darunter auch der Ahnenforscher Michael Götz (siehe Schlusswort am Ende des Gesamttextes).
  • Andreas Aegidius Wichert, geboren am 01.09.1814 in Buch, gestorben am 05.06.1895: Der Schäfer und Ökonom (Landwirt) heiratete am 10.02.1839 in Seußling die in Sassanfahrt am 20.08.1815 geborene Sibylla Auer, gestorben am 01.06.1896: Die Nachkommen wohnen zu einem großen Teil noch heute in Sassanfahrt. Andreas und Sybilla haben 13 Kinder zur Welt gebracht, darunter zehn Söhne. Einer von ihnen war „der letzte Fährmann“ Josef Wichert (1861 – 1953) – siehe hierzu einen separaten Beitrag.
  • Johann Georg Franz Wichert, geboren am 04.10.1816 und im Folgemonat am 25.11.1816 in Buch gestorben
  • Elisabetha Ursula Wichert, geb. am 21.10.1817 in Buch (Haus Nr. 1): Sie heiratete am 18.02.1838 in Rothensand den in diesem Ort am 10.12.1800 geborenen Johann Roppelt. Über weitere Nachkommen ist nichts bekannt.
  • Eva Catherina Wichert, geboren am 28.05.1819 in Buch (Haus Nr. 1)
  • Der Bauer Johann Wichert, geboren am 03.01.1821 in Buch (Haus Nr. 13), gestorben am 24.06.1904 in Sassanfahrt: Am 01.09.1845 heiratete er in Seußling die Anna Maria Kötzner, geboren am 23.11.1818 in Herrnsdorf und gestorben am 25.07.1881 in Sassanfahrt: In dieser Ehe wurden ausschließlich Söhne geboren. Die Nachkommen dieser sechs Wichert’s sind auch heute noch teilweise in Sassanfahrt angesiedelt. Mit meinem Ur-Ur-Großvater Johann beschäftige ich später noch ausführlicher.
  • Barbara Wichert, geboren um 1823 und gerade mal mit fünf Jahren am 25.09.1828 in Sassanfahrt gestorben.

Aus den Daten der beiden letztgeborenen Kinder lässt sich ableiten, dass Peter und seine Frau Anna wahrscheinlich zwischen 1821 und 1828 nach Sassanfahrt gezogen sind, um bei dem Gut (heute: „Schloss“) Sassanfahrt eine offene Stelle als Schäfer anzunehmen. Ab 1811 gehörte das Gut Sassanfahrt einem Sohn des Reichsgrafen Julius von Soden, der es 1832, ein Jahr nach dem Tod seines Vaters an seinen Schwager, dem Herzoglich Braunschweigischen Kammerherrn Friedrich Freiherr von Mühlhausen verkaufte. Die Sassanfahrter Schäferei wurde bereits mindestens seit Anfang des 18. Jahrhunderts betrieben. Der Schäfereibetrieb gehörte zu dieser Zeit schon zum damaligen Rittersgut.

Ortskarte von Sassanfahrt aus dem Jahre 1821; 1 = Schafsscheune (Pfarrer-Gareis-Straße), 2 = Gut Sassanfahrt
Ausschnitt einer Luftbildaufnahme von 1915; 1 = Schafsscheune (Pfarrer-Gareis-Straße), 2 = Gut Sassanfahrt, 3 = Wohnhaus des Schäfers Peter Wichert (Pfarrer-Hopfenmüller-Straße 17)

Ein Zufallsfund in der Zeitung „Tagblatt“ der Stadt Bamberg vom 10. Juli 1835 dokumentiert, dass Peter Wichert offensichtlich sehr erfolgreich als Schäfer arbeitete. Peter und sein Bruder Adam Wichert aus Buttenheim empfingen auf dem Theresien-Volksfest in Bamberg Preise für einen Schafzucht-Wettbewerb.

Ausschnitt aus Tag-Blatt der Stadt Bamberg vom 10. Juli 1835: Peter Wichert und sein Bruder Adam Wichert haben auf einem Schafzucht-Wettbewerb in Bamberg erfolgreich teilgenommen

Peter’s Wichert Anna Maria Margareta starb im Alter von 65 Jahren am 26.10.1853 in Sassanfahrt (im Schloss). Peter heiratete vier Monate später, am 13.02.1854, die Witwerin Gertrud Endres, geboren in Tütschengereuth (westlich von Bamberg). Gertrud war mit Georg Endres verheiratet. Gemeinsame Kinder gab es aus dieser Ehe nicht.

Peter starb am 14.10.1872 um 17 Uhr im Alter von 84 Jahren an Altersschwäche in Sassanfahrt, Hausnummer 102.

Schloss Sassanfahrt (damaliges Gut), Foto: Georg Wichert, 2014
Früheres Wohnhaus des Schäfers Peter Wichert in der Pfarrer-Hopfenmüller-Straße 17 in Sassanfahrt mit einer Fassadenmalerei zur Erinnerung an den letzten Schäfer Anton Stenglein.
In der Ortschronik Sassanfahrt wird über die Schafsscheune und das dazugehörige Wohnhaus berichtet „Der letzte Sassanfahrter Schäfer war Anton Stenglein. Er (…) nutze noch bis 1961 die frühere herrschaftliche Schafsscheune in der Pfarrer-Gareis-Straße (…). (…) Mit dem Schäfermeister Anton Steglein verstarb 1987 (…) der letzte Sassanfahrter Schäfer. An ihn erinnert in Sassanfahrt die Fassadenmalerei des Hauses Pfarrer-Hopfenmüller-Straße 17, wo er zeitlebens wohnte. Die herrschaftliche Schafsscheune (…) gibt es nicht mehr.“

Johann Wichert, geb. 1821 in Buch (3. Generation)

Der Bauer Johann Wichert wurde am 03.01.1821 in Buch (bei Gremsdorf) geboren. Seine Eltern zogen wahrscheinlich zwischen 1821 und 1828 nach Sassanfahrt, um bei dem Gut (heute: „Schloss“) Sassanfahrt eine offene Stelle als Schäfer anzunehmen (siehe vorheriges Kapitel zu seinem Vater Peter Wichert).

Johann heiratete am 01.09.1845 in Seußling die ca. zwei Jahre ältere Anna (Maria) Kötzner, geboren am 23.11.1818 in Herrnsdorf (Ortsteil von Frensdorf, Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Bamberg), Tochter von Johann Kötzner (geboren um 1780 im oberfränkischen Röttenbach) und Margaretha Walz (geboren am 28.03.1783 in Herrnsdorf).

Aus dieser Ehe wurden folgende Kinder geboren:

  • Georg (Franz) Wichert, geboren am 9.12.1846 in Sassanfahrt, gestorben am 9.12.1925 in Frankendorf. Der Schäfer Georg heiratete am 10.05.1874 in Buttenheim die Anna Margareta Brandt, geboren am 25.03.1847 in Frankendorf, gestorben am 27.12.1912. Die beiden ersten Kinder aus dieser Ehe, Georg und Marianne, sind nach einem bzw. zwei Monate gestorben. Das drittgeborene Kind war Marianne (1886 – 1954), verheiratet mit Georg Dorn.
  • Balthasar Wichert, geboren um 1847, gestorben im Alter von Jahren am 12.08.1855 in Sassanfahrt
  • Der Ökonom Adam Wichert, geboren am 28.10.1848 in Sassanfahrt, gestorben am 26.02.1907 in Sassanfahrt. Adam heiratete am 24.02.1879 in Seußling seine Cousine Margaretha Wichert, Tochter von Andreas Aegidius Wichert. Aus dieser Ehe entstanden sechs Kinder.
  • Johann (Hans) Wichert, geboren am 26.06.1851, ausgewandert 1886 nach Amerika, gestorben 1895 in Amerika; siehe hierzu auch den Beitrag „Auswanderung Johann Wichert (1851 – 1895) im Jahre 1886 nach Amerika“.
  • Andreas Wichert, geboren um 1854 und im Alter von drei Jahren und fünf Monaten 1857 in Sassanfahrt gestorben
  • Mein Ur-Großvater, der Bauer Johann Baptist Wichert, geboren am 28.07.1863 in Sassanfahrt, gestorben am 07.01.1909 in Sassanfahrt, seit dem 29.08.1886 verheiratet mit Marianne Bayer, geboren am 07.03.1864 in Köttmannsdorf und gestorben am 8.01.1925 in Sassanfahrt. Über Johann und Marianne und ihren zehn Kindern berichte ich später.

Johanns’s Frau Anna starb mit 62 Jahren am 25.07.1881 (gemäß Sterbebuch um 18 Uhr) in Sassanfahrt. Johann folgte 13 Jahre später, am 24.06.1904.

Im Sterbebuch Sassanfahrt, Register Nr. 17 aus dem Jahr 1904 steht:

Der Ökonom Adam Wichert , wohnhaft in Sassanfahrt, Nr. 64 zeigte an, dass sein Vater, der verwitwete Bauer und Auszügler Johannes Wichert, 82 Jahre und fünf Monate alt, katholischer Religion, wohnhaft in Sassanfahrt Nr. 64 (…), Sohn der verstorbenen Schäferseheleute Peter und [Anna Maria] Margareta Wichert, (…), beide zuletzt wohnhaft in Sassanfahrt, zu Sassanfahrt in der Wohnung des Anzeigenden am 24. Juni des Jahres tausend neunhundert vier nachmittags um sechs Uhr verstorben sei.

Johann Baptist Wichert, geb. 1863 in Sassanfahrt (4. Generation)

Der Bauer Johann Baptist Wichert – mein Ur-Großvater – wurde am 28.07.1963 in Sassanfahrt geboren. Er heiratete am 29.08.1886 die ein Jahr jüngere Marianna Bayer, geboren am 07.03.1864 in Köttmannsdorf (oder Reundorf). Die Familie Bayer können wir auch bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen.

Johann und Marianna haben neun Söhne und eine Tochter auf die Welt gebracht. Alle zehn Kinder haben beide Weltkriege überlebt und haben Familien gegründet, aus denen 43 Kinder entstanden sind. Mein Vater Max Wichert hat also 42 Cousins und Cousinen väterlicherseits!

Johann’s und Marianna’s zehn Kinder
Gruppenfoto der zehn Kinder anlässlich des Todes der Mutter Marianna am 08.01.1925. Es wurde ein Platz in der Mitte der Gruppe freigelassen, um ein Foto der verstorbenen Mutter nachträglich einzufügen.

Nicht alle zehn Geschwister sind in Franken geblieben. Mein Großvater Georg Wichert (1900 bis 1965) ist mit seinen Brüdern Hans (1898 bis 1975, siehe auch Beitrag) und Georg (Görg) Wichert (1905 bis 1985) Anfang der 1920er Jahre nach Schleswig gezogen, um dort als Korbmacher sein Geld zu verdienen; Görg, also der jüngere Georg, ist aber nach wenigen Jahren wieder zurückgekehrt.

Auch Friedrich (Fritz) Wichert (1892 bis 1969) hat Sassanfahrt verlassen und im Westerwald seine Famile gegründet.

Johann Baptist Wichert starb am 07.01.1909 in Sassanfahrt im Alter von nur 45 Jahren, zwei Jahre nach der Geburt seines jüngsten Sohnes Konrad. Seine Frau Marianna folgte 16 Jahren später: Sie starb am 08.01.1925 in Sassanfahrt im Alter von nur 60 Jahren.

Schlusswort

Bereits in der Einleitung habe ich den oberfränkischen Ort Sassanfahrt genannt. Er war Ausgangspunkt meiner Ahnenforschung, da die kinderreichen Familien von Andreas Aegidius Wichert (1814 – 1895) und die meines Ur-Ur-Großvaters Johann Wichert (1821 – 1904) sich hauptsächlich in diesem Ort und seiner unmittelbaren Umgebung niedergelassen haben.

Wer in das Dorf Sassanfahrt hineinkommt, findet im „Zentrum“ den Gasthof Wichert. Der Inhaber Harald Wichert, Nachfahre des gerade genannten Andreas Wichert, hat ein Wappen für seine Familie erstellen lassen, in dem er auch den Berufsstand des Schäfers eingearbeitet hat.

Wappen der Familie Harald Wichert in Sassanfahrt

In Sassanfahrt ist auch die Tischlerei Wichert anzutreffen. Und die Standesbeamtin ist ebenfalls eine Wichert!

Wie sehr die Familie Wichert mit dem Ort Sassanfahrt verbunden ist, zeigen die von mir organisierten Treffen der Wichert’s am 24. April 2014 und 9. April 2015. Zum ersten Treffen kamen alleine 83 Teilnehmer (siehe dazu auch entsprechenden Beitrag).

In einen meiner Reisen nach Sassanfahrt hat mir Bernd Hoffmann ein Bierkrug geschenkt, auf dem das Sassanfahrter Stammhaus von Peter Wichert (1788 – 1872) abgebildet ist (das rechte Haus dem Erker auf der rechten Seite), der mit seine Familie in den 1820er Jahren nach Sassanfahrt zog und sich hier niederließ
Über den geschichtlichen Hintergrund von Sassanfahrt, seinem Schloss und seinen Tropfhäusern informiert dieses Video vom CHW

Zu den Wichert’s habe ich eine Reihe von Beiträgen verfasst.

Ich möchte am Ende nicht versäumen, die Personen zu nennen, die mich bei der Ahnenforschung der Wichert’s am meisten unterstützt haben:

  • Mein Vater Max Wichert aus Norderstedt, der bereits in den 1980er-Jahren viele Informationen in Gesprächen zusammengetragen und mit Schreibmaschine und Klebestift zu einem Stammbaum zusammengefügt hat und dessen Aufgabe ich mit meinen Recherchen nun fortgesetzt habe.
  • Sein Cousin Johann (Hans) Wichert aus Sassanfahrt (gest. Januar 2016), Sohn von Görg (Georg der Jüngere), den ich das erste Mal Ende 2013 anrief und der mich mit unglaublich vielen handgeschriebenen Notizen versorgt hat und der als Heimatforscher ein großes Interesse daran hatte, dass diese Daten zusammengeführt wurden.
  • Tatkräftig unterstützt wurde er von seinem Sohn Peter Wichert aus Sassanfahrt, der mir viel von Sassanfahrt und der fränkischen Umgebung gezeigt hat.
  • Bernd Hoffmann aus Sassanfahrt, Urenkel von Johann Wichert (der Ältere), als der Mann mit dem unglaublichen Gedächtnis: Er ist in der Lage Geburtsjahre, Namen und Zusammenhänge ohne einen Blick in irgendwelche Unterlagen zu nennen. Bernd hat 2015 und 2016 gemeinsam mit Hans einige Male Kirchenbücher im Erzbistum Bamberg gesichtet und damit viele weitere Informationen zusammengetragen.
  • Michael Götz aus Buttenheim hat 2015 und 2016 immer wieder in dem Archiv des Erzbistums Bamberg und zuletzt auch in dem Archiv des Bistums Würzburg recherchiert und mit Engelsgeduld viele Kirchenbuch-Einträge gefunden und vor allem in lesbare Form übersetzt.
  • und viele weitere Personen aus Deutschland, die mir Notizen, Dokumente und Fotos zugesandt haben!