Einleitung

Meine Großmutter väterlicherseits war Erna Auguste Emma Dorothea Wichert, geb. Stumpff (1897 bis 1979, geboren und gestorben in Schleswig) und war mit Georg Wichert (1900 bis 1965) verheiratet.

Die Stumpff’s stammen aus Schleswig-Holstein und lassen sich bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen. Das zweite „f“ im Nachnamen wurde erst Anfang des 19. Jahrhunderts angefügt. Vorher lautete der Nachname also „Stumpf“, später dann „Stumpff“.

Alleine aufgrund des ursprünglichen Nachnamens „Stumpf“ sehe ich keine Verbindung zu den Stumpff’s aus Polnisch-Preußen, wie einige vermuten (siehe Beitrag „Stammen unsere Stumpff’s aus Polnisch Preußen?“ ). Wer nach diesem Namen im Internet sucht, findet zweifellos viele Stumpff’s auch in den ehemaligen Ostgebieten, aber daraus lässt sich noch keine Verbindung zu unseren Ur-Schleswig Holsteinern ableiten.

Überblick

Nachfolgend ein grober Überblick über die Linie Stumpff. Detailliertere Informationen sind in meiner Datenbank enthalten.

Johann Bernhard Stumpf, geb. 1718 in Blekendorf (1. Generation)

Mein Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater Johann Bernhard Stumpf (1718 bis 1792) war Holzvogt (alte Berufsbezeichnung für „Amtsvorsteher für das Forstwesen“) auf dem damaligen adligen holsteinischen Gut Futterkamp , das heute zur Gemeinde Blekendorf (Kreis Plön, östlich von Lütjenburg) gehört.

Wo Johann geboren wurde, ist leider noch unklar. Eine Recherche in den Kirchenbüchern in Plön und Blekendorf blieb bisher erfolglos. Leider konnte auch noch nicht herausgefunden werden, mit wem er verheiratet war.

Johann Bernhard Stumpf hatte zwei Söhne:

  • Johann Andreas Stumpf, geboren 1759: Auf ihn gehe ich gleich weiter ein.
  • Claus Hinrich Stumpf, Schneidermeister aus Lübeck: Weitere Informationen liegen mir über Claus nicht vor.
Johann Bernhard Stumpf starb am 1.2.1792 im Alter von 74 Jahren in Blekendorf; er hinterließ seine beiden Söhne Johann Andreas und den Schneidermeister Claus Hinrich; Quelle: Sterbebuch der Kirchengemeine Blekendorf, Jahrgang 1792, Eintrag Nr. 4

Johann Andreas Stumpf, geb. 1759 in Blekendorf (2. Generation)

Mein Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater Johann Andreas Stumpf wurde 1759 im holsteinischen Blekendorf geboren. Er trat in die Fußstapfen seines Vaters und übte auch den Beruf des Holzvogtes in Blekendorf aus; vorher war er Weber (gemäß Eintrag im Trauregister der Kirchengemeinde Blekendorf).

Am 10. Mai 1782 heiratete Johann Andreas in seinem Geburtsort Sophie Christina Hoffen, die im Mai 1760 in Preetz geboren wurde. Aus diese Ehe entstanden drei Söhne:

  • Detlef Johann Andreas Stumpf, geb. am 21. Juni 1782 in Blekendorf: Über ihn werde ich gleich mehr berichten
  • Johann Christian Friederich Stumpf, geb. 1788 in Blekendorf: Johann war Steinhauer in Matzwitz (Kreis Plön) und hatte drei Kinder: Sophia Car., geb. 1818 in Darry (Kreis Plön), Friedrich, geb. 1823 in Matzwitz (Kreis Plön) und Wilhelmine, geb. 1834 ebenfalls in Matzwitz (Kreis Plön). Diese Angaben stammen aus einer Volkszählung von 1845.
  • Detlef Jürgen Julius Stumpf, geb. 1791: Über ihn ist mir nichts bekannt.
Der Holzvogt Johann Andreas Stumpf starb bereits mit 34 Jahren, am 10.12.1793, gerade mal ein Jahr nach dem Tode seines Vaters und zwei Jahre nach der Geburt seines dritten Sohnes, in Blekendorf; er hinterließ seine Ehefrau und seine drei Söhne; Quelle: Sterbebuch der Kirchengemeine Blekendorf, Jahrgang 1793, Seite 284, Eintrag Nr. 2

Nach dem Tod ihres Mannes heiratete die Witwe Sophie Christina Hoffen den ein Jahr jüngeren Landwirt Jürgen Hinrich Gries, geb. 1763. Aus dieser Ehe stammen die Söhne Christian Friedrich Hinrich (geb. 1795), Hans Hinrich Jürgen (geb. 1800) und Friedrich August (geb. 1802). Die Familie wohnte – gemäß einer Volkszählung aus dem Jahre 1803 – auf einem gepachteten Hof in Nessendorf (gehört zum Gut Kletkamp, ein paar Kilometer von Blekendorf entfernt). Auch die drei Söhne aus ihrer Ehe mit Johann Andreas Stumpf wohnten auf dem Hof.

Das benachbarte Gut Kletkamp ist übrigens auch bekannt geworden als Schloss Immenhof der Immenhof-Filme aus den Jahren 1973 und 1974 (u.a. „Die Zwillinge von Immenhof“).

Detlef Johann Andreas Stumpf, geb. 1782 (3. Generation)

Der Erstgeborene aus der Ehe von Johann Andreas Stumpf und Sophie Christina war mein Ur-Ur-Ur-Großvater Detlef Johann Andreas Stumpf, der am 21. Juni 1782 in Blekendorf zur Welt kam.

Detlef (oder Detlev) Johann Andreas Stumpf wurde am 21.6.1782 in Blekendorf geboren, Quelle: Taufbuch der Kirchengemeine Blekendorf, Jahrgang 1782, Nr. 24

Er verließ den landwirtschaftlichen Pacht-Hof seiner Mutter und seines Stiefvaters in Nessendorf und zog – irgendwann zwischen 1803 und 1816 – nach Schleswig, um dort als Bote („Läufer“) des bei der Bevölkerung sehr beliebten Landgrafen Carl von Hessen (1744 – 1836) zu arbeiten. Carl von Hessen residierte auf Schloss Gottorf.

Schloss Gottorf im Jahre 2019; hier residierte der Landgraf Carl von Hessen bis zu seinem Tode im Jahre 1836, Foto von Georg Wichert

Detlef zog in das Haus Nr. 13 des siebten Schleswiger Quartiers „Lollfuß“. Die Nummerierung der Häuser erfolgte für ein Quartier fortlaufend unabhängig von der Straße; erst 1888 wurden die Hausnummern je Straße vergeben (siehe Bericht in den Schleswiger Nachrichten vom 10.11.2014). In den Volkszählungen von 1835, 1840 und 1845 wurde das Haus Nr. 13 als Wohnort genannt, jedoch verwirrenderweise mit unterschiedlichen zusätzlichen Ortsangaben: 1835 „Kleiner Ziegelhof Nr. 13“, 1840 „Lollfuß Nr. 13“ und 1845 „Am Damm Nr. 13“.

Seit 1711 wurde der „Lollfuß“ VII. Quartier Schleswigs. Um diese Zeit war diese Straße vollständig bebaut. Bewohner waren Bedienstete der fürstlichen Hofhaltung, Handwerker und Gewerbetreibende (…). Seit etwa 1700 befand sich hier als öffentliche Einrichtung der Posthof für die reitenden und fahrenden Posten (…).

Durch die „Combinirung“ Schleswigs mit Lollfuß und Friedrichsberg 1711 zu einer neuen Stadtgemeinde wuchsen die Einwohner enger zusammen, so dass die Obrigkeit Sorge tragen musste, die Straßenverhältnisse zu verbessern. Eine Sonderstellung hatte der dem Lollfuß benachbarte Domziegelhof. Erst 1737 erloschen seine Vorrechte, und er wurde wie 1768 Kleinziegelhof, Hesterberg, Hühnerhäuser und Neuwerk, die ehemals Teile des Schlossareals gewesen waren, dem Lollfuß-Quartier zugeordnet (…).

Quelle: „Schleswig in der Statthalterzeit 1711 – 1836“ von Joachim Skierka, Seite 70

Wahrscheinlich war Detlef auf dem o.g. Posthof im Lollfuß tätig, um seine Botendienste auszuführen.

Ausschnitt aus einer Karte von Schleswig aus dem Jahre 1871: Links das Schloss Gottorf, in der Mitte der Kleinzielgelhof und rechts der Lollfuß – wo aber ist nun das Haus Nr. 13, in dem Detlef mit seiner Familie wohnte? , Quelle: Wikipedia

Am 6. Dezember 1816 heirateten Detlef und Maria Hedewig Jürgensen (unbekanntes Geburtsdatum). Maria gebar fünf Söhne und eine Tochter:

  • Sophia Helene Jacobine Stumpff, geb. 1817: Von ihr liegen mir keine weiteren Informationen vor.
  • Peter Gerhard Christian Stumpff, 24.11.1818 – 9.6.1880: Über den Tischlermeister Peter berichte ich später ausführlicher.
  • Christian Karl Johann Stumpff, 30.9.1820 – 3.1.1887: Christian war wie sein Bruder Peter Tischlermeister in Schleswig, blieb aber ledig
  • Moritz Bernhard Wilhelm Stumpff, geb. 16.8.1822: Von ihm liegen mir keine weiteren Informationen vor.
  • August Ludwig Julius Stumpff, geb. 6.11.1824: Auch hier habe ich keine weiteren Informationen.
  • Johann Jürgen Theodor Stumpff, 31.7.1826 – 10.2.1829: Mit zweieinhalb Jahren ist Johann gestorben.

Am 3. November 1826, ungefähr vier Monate nach der Geburt ihres Sohnes Johann, starb Maria. Ihr letztgeborener Sohn Johann folgte ihr drei Monate später. Detlef und Maria hätten einen Monat später ihren zehnjährigen Hochzeitstag gehabt.

Am 9. April 1833, also sieben Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau, im Alter von 50 Jahren, heirate Detlef erneut. Die Ehe schloss er mit der 27-jährigen Anna Maria Voigt, geb. 1805 in Odensee. Aus dieser Ehe stammte die einzige Tochter Delphine Caroline Jacobine, geboren am 5. Januar 1838.

1845 wohnte Detlef mit seiner zweiten Frau Anna Maria, seiner ältesten Tochter Sophia Helene Jacobine (aus der ersten Ehe) und seiner jüngsten Tochter Delphine Caroline Jacobine (aus zweiter Ehe) im Haus Nr. 13 des Quartiers Lollfuß in Schleswig. Aufgeführt sind hier in den letzten beiden Zeilen auch Angestelle des Hauses: die Witwe Maria Desler als Näherin („durch Handarbeit nähend“), geb. 1771, und die alleinstehende Friderike Christine Johanna Hansen als Dienstmädchen, geb. 1810, Quelle: Danish Family Search (Einzelteile manuell zusammengesetzt, da die Liste auf zwei Seiten verteilt war).

1836 starb Detlef’s Arbeitgeber, der Landgraf Carl von Hessen. War Detlef danach noch als ein Bote tätig? Der Sohn von Carl von Hessen, Landgraf Friedrich von Hessen, residierte jedenfalls nicht mehr im Schloss Gottorf, sondern im Gut Panker.

Detlef Johann Andreas Stumpff starb am 15. November 1851 im Alter von 69 Jahren. Er hinterließ seine zweite Ehefrau und sechs Kinder im Alter von 13 bis 34 Jahren, Quelle: Kirchenbuch Schleswig St. Michaelis-Gemeinde, Bestattungen 1847-1870

Peter Gerhard Christian Stumpff, geb. 1818 (4. Generation)

Mein Ur-Ur-Großvater Peter Gerhard Christian Stumpff wurde am 24. November 1818 in Schleswig geboren. Er lernte das Tischlerhandwerk und wurde Tischlermeister. Er erwarb 1862 im siebten Quartier „Lollfuß“ das Haus Nr. 78. Das Haus trägt seit 1888 die Hausnummer Nr. 92 in der Straße Lollfuß. Hier hatte er sich eine Tischlerwerkstatt eingerichtet.

Peter Gerhard Stumpff wurde am 24. November 1818 in Schleswig geboren, Quelle: Kirchenbuch Schleswig St. Michaelis-Gemeinde, Taufen 1815-1832
Am 19. Mai 1862 kaufte Peter Stumpff das Haus Lollfuß 92 (damals Haus Nr. 78 im Quartier Lollfuß) von Wilhelm Ludwig Emilius Schultz, der es 22 Jahre vorher, am 10. Dezember 1840, von Anna Maria Müller, geb. Wolter erworben hatte

Inwieweit Peter das Tischlerhandwerk gemeinsam mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Christian Karl Johann betrieben hatte, ist nicht bekannt. Sein Bruder war wie Peter Tischlermeister und wohnte im Haus Nr. 12 im Quartier Lollfuß. Christian blieb ledig und hatte keine Nachkommen.

Peter hingegen heiratete am 22. Mai 1853 in der St. Michaelis Kirche in Schleswig Dorothea Maria Bernhardine Geisler, geboren am 23. Juli 1822 in Schleswig. Über den Familienzweig der Geisler’s berichte ich in einem separaten Beitrag.

Nach einer Fehlgeburt am 17. Dezember 1855 wurden fünf Kinder auf die Welt gebracht:

  • Auguste Marie Louise Stumpff, geb. am 6. März 1856 in Schleswig: Nach mündlichen Überlieferungen heiratete Auguste (Rufname Gustl) den Witwer Oborski, der einen Sohn in die Ehe brachte: Kurt Oborski. Kurt heiratete eine Anni (unbekannter Geburtsname). Aus dieser Ehe entstanden fünf Kinder: Käthe, Lisa (sie heiratete Heinrich Jürgensen), Annemarie (sie heiratete den Flugzeugbauer Klaus Petersen), Thea (siehe heiratete Peter Husfeld) und schließlich Lothar.

    Auguste lebte zuletzt im Lollfuß 92 zusammen mit ihrem Bruder Carl und seiner Frau Bertha.

    Im Zusammenhang mit einem „geheimnisvollen Löffel von 1888“ verweise ich auf einen separaten Beitrag.
  • Carl Christian Bernhard Stumpff, geboren am 19. Mai 1857: Über meinen Urgroßvater, der in die Fußstapfen seines Vaters trat und Tischlermeister wurde, berichte ich weiter unten.
  • Bernhardine Christine Marie Stumpff wurde am 3. Februar 1858 geboren und verstarb bereits am Folgetag.
  • Adolph Ludwig Moritz Stumpff wurde am 20. Mai 1859 geboren und starb bereits im Alter von nicht mal drei Jahren am 21. Februar 1862.
  • Marie Margaretha Friederike Stumpf wurde am 26. Dezember 1860 geboren und starb nach wenigen Monaten am 7. März 1861.

Es müssen schwierige Zeiten gewesen sein. Von fünf Kindern blieben nur die beiden Erstgeborenen Auguste und Carl.

Artikel aus dem „Norddeutscher Grenzbote – Politische Wochenschrift“, Nr. 20, Jahrgang 1861, Seite 206, mit Erwähnung des Tischlers Peter Stumpff; Unterschrieben ist dieser Artikel vom damaligen Bürgermeister August Brown-Jürgensen, der zuvor drei Jahre als Polizeimeister tätig war (1856 – 59). Der Sinn dieses Artikels hat sich mir noch nicht erschlossen – wer hat eine Idee?

Peter starb am 9. Juni 1880 in Schleswig im Alter von 61 Jahren, seine Frau Dorothea folgte ihm zehn Jahre später am 9. November 1890. Sie wurde 68 Jahre alt.

Carl Christian Bernhard Stumpff, geb. 1857 (5. Generation)

Mein Ur-Großvater Carl Christian Bernhard Stumpff wurde am 19. Mai 1857 in Schleswig geboren. Er und seine Schwester Auguste erbten das Haus im Lollfuß 92. Carl übernahm auch die Tischlerei und machte daraus ein „Tischlerei mit Maschinenbetrieb“.

Tischlermeister Carl Stumpff mit Lehrlingen und Gesellen in Tischlerei Lollfuß 92 – Foto von ca. 1905
Tischlermeister Carl Stumpff, Foto ca. 1890

Carl Stumpff heiratete am 9. Mai 1894 Bertha Elline Christiane Nielsen, geb. am 19. Oktober 1863. Auch die Familie Nielsen können wir bis Mitte des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen – bis Nordschleswig, also bis ins heutige Dänemark (siehe Beitrag „Nielsen aus Schleswig-Holstein“ ).

Aus dieser Ehe entstanden vier Kinder:

  • Karl Johann Nikolaus Stumpff, geb. am 17. Mai 1895 in Schleswig, gestorben am 10. November 1970 in Göttingen: Über diesen Professor der Astronomie berichte ich in einem separaten Beitrag.
  • Meine Großmutter Erna Auguste Emma Dorothea Stumpff, geboren am 14. Januar 1897, gestorben am 20. August 1979 in Schuby (bei Schleswig): Erna heiratete meinen Großvater Georg Wichert, geboren am 2. Juni 1900 in Sassanfahrt (bei Bamberg), gestorben am 21. März 1965 in Schleswig – siehe hierzu auch Ahnenforschung Wichert
  • Laura Sophie Emilie Stumpff, geboren am 6. Februar 1900, gestorben am 11. Juni 1967 in Hamburg: Laura war Krankenschwester/Oberin in Finkenau (Hamburg) und blieb ledig und hatte keine Kinder
  • Bernhard Emil Jürgen Stumpff, geboren am 17. Mai 1903, gestorben am 8. April 1991 in Hamburg: Bernhard war selbständiger Statik-Ingenieur und blieb – wie seine Schwester Laura – ledig und kinderlos.
Karl Stumpff (1895 – 1970) mit seiner Schwester – meiner Großmutter – Erna Stumpff (1897 – 1979), Foto von ca. 1900
Carl Stumpf starb am 25. Oktober 1909
Lollfuß 92 um 1910: Die Witwe Bertha Stumpff blickt aus dem mittleren Fenster, ihre Tochter Erna – meine Großmutter – im Fenster rechts daneben. Links auf der Treppe steht die etwa 10-Jährige Laura und neben ihr, im Matrosenanzug, der Jüngste der Familie, Bernhard Stumpff. Der spätere Astronom, Prof. Karl Stumpff (1895-1970) stützt sich rechts aufs Treppengeländer

Carl starb bereits mit gerade mal 52 Jahren, am 25. Oktober 1909. Bertha folgte ihm erst 22 Jahre später, am 27. Januar 1931. Für die Witwe war es seine schwere Zeit, während des ersten Weltkrieges und in der Zeit danach. Es fehlte stets an Geld. Die Tischlerwerkstatt wurde wohl immer wieder untervermietet, brachte aber wenig Geld ein.

(…) Für mich ist es sonst auch nicht schön, lieber Bernhard, so ohne einen
Groschen in der Tasche, und immer auf die Briefe meiner Kinder zu warten. Wenn man alles seinen Gang ginge, hätte ich es nicht nötig. Ich hatte nun gedacht, Gosch [Untermieter in der Werkstatt] sollte mir von der nächst fälligen Miete 20 Pf. geben, denn es wird doch bald Zeit. Aber der sagt einfach, ich habe nichts, ich war ja ganz platt. Dass das ja vielleicht auch nicht mehr lange dauert. Erna hat ja auch viel zu
begleichen. Vielleicht kannst du für die Rückreise etwas für mich sparen, mein Junge. Es freut mich, dass du erstmal geborgen bist, die Arbeitslosigkeit ist hier überall furchtbar. (…)

Auszug aus einem Schreiben von Bertha Stumpf an Ihren Sohn Bernhard am 14. August 1924

(…) Der Sonnabend war für mich wieder mal ein verhängnisvoller Tag, du weißt ja,
mein Bernhard, daß ich Aufregung nicht gut vertrage. Ich komme am Sonnabend morgen rauf zur Werkstatt, denn Gosch hat die Werkstatt zum 1. Februar aufgegeben. Der Hansen hat sich zurückgezogen. Da zeigt Gosch mir in aller Ruhe einen vom Gerichtsvollzieher aufgekleben Siegel auf meiner Hobelbank. Weil er beim Finanzamt seine Steuern nicht bezahlt hatte. Seine Hobelbank konnten sie ihm nicht nehmen, und ohne mich zu rufen, lässt er es geschehen, das ich nicht auf der Stelle einen Schlag bekommen, muss mich noch wundern. Was nun machen. Was nun machen, dann lieber Bernhard fühlt man so recht wenn man alleine im Leben steth. Der Kerl
von Gerichtsvollzieher war über Land, sonst hätte ich mir ihn schon gekauft. Ich habe es daher diese Tage auch gar nicht gut. Nun hatte Gosch noch 6 Pf., vom Wamser hatte er 8 Pf. zu fordern. Die konnten es ihm aber nicht geben. Nun hatte ich noch die 10 Pf. von dir. Die habe ich dann erst für Wamser ausgelegt und somit konnte er ja seine Schulden bezahlen. Sie hätten mir ja nie meine Bank nehmen können, aber es hätte viel Scherereien gegeben,und das ertrage ich ja nicht. Möchte nun doch etwas
ordentliches kommen für die Werkstatt. Ich wollte es ja mit dir besprochen haben, wegen dem umvariieren, aber ich glaube, ich setze vom ersten Tag eine Annonce ein. Du weißt auch wohl keinen, der sie wohl nehmen könnte. (…)

Auszug aus einem Schreiben von Bertha Stumpf an Ihren Sohn Bernhard am 20. Juni 1925

Schlusswort

Der Lollfuß 92 ist auch das Elternhaus meines Vaters Max Wichert. Er wurde einige Jahre nach dem Tod seines Vaters Georg Wichert im Jahre 1965 schließlich verkauft – ca. 100 Jahre nach dem Erwerb von Peter Stumpff im Jahre 1862 – , nachdem die Witwe, also meine Großmutter Erna Stumpff (1897 – 1979) zu ihrer Tochter Elisabeth Taschke und ihrem Mann Wolfgang nach Schleswig und später dann nach Schuby (bei Schleswig) zog.

Lollfuß 92 im Jahre 2019: Dieses Haus kaufte Peter Stumpff 1862. Es blieb danach ca. 100 Jahre im Familienbesitz. Foto von Georg Wichert

Bärbel Schulz, geborene Petersen, eine Enkelin von Kurt Oborski, dem Stiefsohn von Auguste Stumpff, kaufte später den Lollfuß 92.

Das Haus wechselte dann noch häufiger den Besitzer, wurde erfreulicherweise aber immer „gut in Schuss“ gehalten. So ist es auch heute noch ein Schmuckstück im Lollfuß geblieben – siehe hierzu auch ein Beitrag des Vereins Pro Lollfuß. Dort steht:

An diesem Ort mit der historischen Adresse 7. Qt. No 78 befindet sich das Haus der früheren Tischlerei Carl Stumpff. Heute fällt es durch seinen altrosa Anstrich auf und ist eine Zierde des unteren Lollfuß. (…)

Im Jahre 2010 wechselte das ehemalige Stumpff-Haus letztmals seinen Besitzer. Die frühere Eigentümer hatten das Gebäude mit der im Hinterhaus befindlichen Tischlerei jahrzehntelang liebevoll instand gehalten. Inzwischen hat das Innere des Gebäudes einige Neuerungen erfahren, doch äußerlich ist es unverändert geblieben.

Beitrag des Vereins Pro Lollfuß vom 10. Juli 2014

Meine Großmutter Erna Stumpff (6. Generation) war die letzte Stumpff in Schleswig-Holstein. Ihre Schwester Laura und ihr Bruder Bernhard Stumpff, die beide ledig und kinderlos blieben, zogen nach Hamburg. Ihr ältester Bruder Karl verließ bereits zu Studienzeiten Schleswig-Holstein und wohnte zuletzt in Göttingen. Durch seine Söhne und seine Enkelkinder ist der Name Stumpff erhalten geblieben, allerdings nur „südlich der Elbe“ (u.a. in Bayern; hier wohnt u.a. der auch in der Ahnenforschung sehr aktive Claus Hinrich Stumpff, Sohn von Karl Stumpff).

Zu den Stumpff’s habe ich weitere Beiträge verfasst.