Henstedt-Ulzburg: Historische Flurnamen

Geschichtliche Entwicklung von Henstedt

Diese KI-Zusammenfassung basiert auf den drei Beiträgen von Max Fröhlich zur Geschichte Henstedts im Mittelalter (Heimatkundliches Jahrbuch für den Kreis Segeberg, 1967, 1969 und 1970).

Teil 1: Zusammenfassung der Untersuchungen

1. Methode und Zielsetzung

Da schriftliche Urkunden für Henstedt erst mit den Segeberger Amtsrechnungen ab 1526 vorliegen, nutzt Max Fröhlich die unverkoppelte Flurkarte von 1775 sowie spätere Erdbücher, um die Entstehung und Entwicklung des Dorfes rückwirkend vom frühen bis zum späten Mittelalter zu erforschen. Die Analyse basiert auf der Annahme, dass sich die alten Flur- und Besitzstrukturen über Jahrhunderte weitgehend konserviert haben.

2. Frühmittelalter (Gründung und Kernflur)

  • Siedlungsbeginn: Henstedt gehörte im frühen Mittelalter zum Gau Stormarn. Der Ortsname auf -stedt verweist vermutlich auf eine Gründung der Merowingerzeit (ca. 7./8. Jahrhundert) aus dem Ausstrahlungsgebiet der oberen Alster.
  • Kernflur: Als älteste Ackerfläche (Kernflur) wird der Komplex Upn Drey Lang Stücken ermittelt. Die ebenen, lehmig-sandigen Böden lagen dorfnah und erlaubten das Pflügen langer Streifen.
  • Vier Siedlungsgruppen: Die Entstehung erfolgte schrittweise um den Dorfteich (Wöddel):
    1. 1. Gruppe: 4 Höfe am Ostrand des Dorfteiches (Höfe 1, 26, 27, 28).
    2. 2. Gruppe: Ansetzung am Nordrand des Teiches (Höfe 6, 20, 21).
    3. 3. Gruppe: Erste Waldrodung auf dem Hons Barg westlich des Kisdorfer Weges (Höfe 24, 25).
    4. 4. Gruppe: Rodung östlich des Weges (Höfe 2, 3, 4). Am Ende des Frühmittelalters bestand das Urdorf aus 12 Vollhufen mit etwa 84 Einwohnern.

3. Hochmittelalter (Große Rodungsperiode)

  • Flurzwang und Planmäßigkeit: Die Rodungen wurden von der Dorfschaft (Bauernlag) gelenkt. Es entstand der Flurzwang sowie der Übergang von reinen Streifenfluren zu Mischfluren (Streifen und Blöcke).
  • Einteilung in 6 Rodungszonen: Die Feldmark wurde schrittweise in sechs Zonen nach Norden, Osten, Westen und Süden erweitert.
  • Bevölkerungs- und Verwaltungswachstum: Eine 5. Siedlungsgruppe entstand im Süden des Dorfes; die Zahl der Höfe wuchs auf 18 Vollhufen und 4 Drittelhufen (ca. 154 Einwohner). Henstedt wurde dem um 1150 gegründeten Kirchspiel Kaltenkirchen zugeteilt und bildete dort das mit Abstand größte Vollhufnerdorf.

4. Spätmittelalter (Krise, Wüstungen und Neuanfang)

  • Unruhen und Pest (1320–1480): Die Lungenpest und anhaltendes Räuberunwesen führten zu temporärem Bevölkerungsrückgang und Wüstungen.
  • Folgen für die Flur: Mindestens fünf Vollhufnerstellen fielen zeitweise wüst. Andere Bauern eigneten sich herrenloses Land an, was zu Querteilungen und unregelmäßigen Flurgrenzen führte. Im Jahr 1526 wurden fünf der geschwächten Höfe vorübergehend von westfälischen Zuwandererfamilien besetzt.
  • Infrastruktur und Neuerschließung: Im Jahr 1473 ließ der Segeberger Amtmann Jürgen Krummendiek einen Damm an der Hamburger Straße aufschütten, wodurch die Überquerung der Niederung gesichert und der Komplex Upn Damm Stücken urbar gemacht wurde. Ab 1560 folgten neue Randrodungen (Uthgerumede Äcker), die erstmals als eingefriedigte Koppeln in Eigenbesitz genommen wurden.

Teil 2: Liste der Flurnamen mit Anmerkungen aus den Dokumenten

Die Flurnamen sind nach Zonen bzw. Entstehungskontexten gegliedert und enthalten die in den Texten angeführten sprachlichen, geografischen und historischen Erläuterungen:

1. Kernflur & Früheste Ackerkomplexe

  • Upn Drey Lang Stücken (Komplex I): Verweist unmittelbar auf den Landbau. Merkmal ist die Länge der Streifen, die dem Ackerbauer das seltene Wenden beim Pflügen erleichterte.
  • Upn Hons Barg (Komplexe II & III): Barg = Berg (höchste Anhöhe nahe dem Dorf). Hohn/Hons leitet sich vom altsächsischen ho (= Wald) ab. Bezeichnete ursprünglich einen bewaldeten Berg, der lange als Waldweide diente und später gerodet wurde.
  • Thogen Kamp: Thogen = Zug über das Feld. Bezeichnet ein Stück des Moränen-Höhenzuges südlich der Alster, das die Überquerung der Moore von Südosten her ermöglichte.
  • Pili Kamp / Pili Kraut: Pil, Pilkrütt (niederfränkisch/niederdeutsch) = Knöterich. Erinnert an das Sammeln von Unkrautsamen (Knöterichsamen) zur Ernährung in der Vorzeit/Eisenzeit. Pil/Piehl steht zugleich für feuchte, moorige Stellen.

2. Ehemalige Allmende (Gemeine Weide) am Rande des Urdorfes

  • Upn Korten Kamp: Korten = kurz; Kamp = abgegrenztes Landstück. Wegen geringer Erträge und Sandgruben früher als Weide oder Heide genutzt.
  • Kamp beym Ohlen Dieck: Kamp beim alten Teich (Ohlen Dieck); verweist auf historische Wasserflächen westlich des Dorfes.
  • Achter de Häwe: Lage hinter der Häwe (Hag, Einfriedung, Gebüsch/Holzung am Rande der Kohlgärten).
  • Upn Korn Kamp: Verweist auf Getreideanbau; zeigt durch die gerade Linienführung eine spätere Aufteilung der alten Allmende an.
  • Upn Distel Stücken: Schwerer, lehmiger Boden, der schwer zu bearbeiten war, unbestellt als Gemeine Weide liegen blieb und mit Disteln überwachs.

3. Flurnamen der I. Rodungszone (nördlich des Dorfes)

  • Upn Wied Busch: Wied = Holz, Wald, Gebüsch.
  • In Karck Rehmmel: Karck (nd.) = Kirche (Bezug auf den Kirchweg nach Kaltenkirchen); Rehm/Remel (nd.) = schmaler Landstreifen am Rande eines Feldes / Einfriedung.
  • In Hassel Busch: Mit Haselsträuchern bestandener Buschwald.
  • Achter Sülows Hus: Benannt nach dem Ort hinter dem Haus des Achtelhufners Paul Sülau (um 1647); der ältere Name ging verloren.

4. Flurnamen der II. Rodungszone (östlich der I. Zone)

  • Upn Eller Hop: Eller = Erle; Hop = Gebüsch/Geländestück (Erlengebüsch).
  • Hogen Barcken: Barke/Berke (nd.) = Birke; bezeichnet ein hohes Birkengehölz.
  • Upn West Krütz: Lage westlich der Wegekreuzung (Weg von Götzberg/Vogelsang nach Kisdorf); entstand erst nach der Erschließung der östlichen Felder.

5. Flurnamen der III. Rodungszone (nordöstlich)

  • Upn Krummen Ackern: Ackerstreifen, die sich der rechtwinkligen Biegung des Weges nach Götzberg anpassten.
  • Upn Ehts Kamp: Etz, Eez (altsächsisch ek) = Eiche; ein mit Eichen bestandenes Kamp.
  • Up de Wulfs Kammer & Upn Adler: Weisen auf dichte Bewaldung und das historische Vorkommen gefährlicher Raubtiere (Wölfe, Adler) hin.

6. Flurnamen der IV. Rodungszone (westlich des Dorfes)

  • Upn Stein Stücken: Extrem steinreicher Geländekomplex.
  • Upn Rügen Vier: Rügen (nd. ruch) = rauh; Viert/Virt (mnd. viride) = Heideflächen und Holzungen / ungebundenes Kommunalland an der Ulzburger Gemeindegrenze.
  • Upn Dinn Seß (Dähn Sißt): Ragt in die Ulzburger Feldmark hinein; erinnert evtl. an das Lager eines dänischen Heeres oder an den Personennamen Dene/Däne (z. B. Johannes Dene, 1343).

7. Flurnamen der V. Rodungszone (südlich des Dorfes)

  • Upn Wörttel Lande: Wörttel, Wöddel, Weddel = Dorfteich bzw. Furt durch den Bach aus dem Teich.
  • In Barcker Mohr: Bark, Berke (nd.) = Birke; bewaldetes Moor mit Birken.
  • In Barrer: Bar = Waldweide, insbesondere Schweineweide (oder wüster Wald).
  • Schwin Boden: Bod/Bude = kleine Bude, Viehschuppen; Schuppen für die Schweinemast im Eichenwald.
  • Upn Knolln Föhrn (Kolln Föhrn): Kold (nd.) = kalt; Ford/Fohrt = Furt -> „Kalte Furt“ über den Wöddel Beck.
  • Upn Kuhlen Kamp: Lage an den Lehmkuhlen zur Gewinnung von Baustoffen für Fachwerkbauten.
  • Upn Böcken Beck: Böcken = Buchen; Beck = Bach (Buchenbach).
  • Upn Matten Born: Born = Quelle oder Brunnen.
  • Achter Schlüters Kathen: Benannt nach der Koppel hinter der Kate des Viertelhufners Johann Schlüter (1743).
  • Up de Log (Dorf Lohe / Lütje Lohe): Lo, Loh, Loge (nd.) = Waldlichtung, lichter Wald, freier Platz im Wald.
  • Upn Jaspers Barg: Anhöhe/Berg, benannt nach einer Person namens Jasper.

8. Flurnamen der VI. Rodungszone (Grenzbereiche & Urwohld im Osten/Norden)

  • Upn Matten Krog: Krog (nd.) = Ecke, Winkel, entlegener Landstreifen an Wald und Unland.
  • Upn Brummei Stücken: Brommei (nfr.) = bezeichnet das Vorkommen von Raseneisenstein auf Heideboden.
  • Upn Pili Kamp: Pil, Piehl = feuchte, moorige Stelle am Bach.
  • Upn Wisch Beck: Wisch = Wiese; Beck = Bach.
  • Upn An Barg: Lage direkt am Hang bzw. Berg.
  • Upn Dahl Kamp: Dahl = Tal.
  • In de Hörn & Hell Hörn: Helle (nd.) = Abhang; Horn/Hörn = spitzer Geländevorsprung an der Gemeindegrenze.
  • Upn Kram Beck: An der Kisdorfer Grenze gelegener Bachlauf.

9. Flurnamen am Rande des Urwohldes (Dämonenglaube an der Ostgrenze)

  • Wösten Brock Koppel / In Westen Brock / Wösten Brock Wisch: Wüste, unbestellte Bruchlandschaft am Rande des Urwaldes.
  • Höllen Log, Höllen Wisch, Vorn Höllen Dieck, Höllen Dieck, In Höllen Grund, Höllen Brock, Voß Höllen, Höllen Hörn, In de Höllen Wischen: Der Namensbestandteil Hölle verweist auf den undurchdringlichen Urwohld, der im Mittelalter als unheimlicher Aufenthaltsort böser Geister galt.

10. Flurnamen zum Dammbau von 1473 (im Süden)

  • Upn Damm Stücken, Upn Damm Mohr, Damm Wisch, Lang Mohrs Damm Wisch: Benannt nach dem 1473 aufgeschütteten Damm an der Hamburger Straße über die Alster-Pinnau-Niederung.

11. Spätere Neu- und Randrodungen

  • Upn Siever Seß (Sibber Seß): Benannt nach dem Geldgeber Hans Sibber (1724 in einer Schuldurkunde erwähnt).
  • Koppel-Namen (z. B. Ecker Koppel): Koppel (nd.) = mit Wall und Zaun eingefriedigtes Landstück; bezeichnet private Randrodungen ab ca. 1560.

Teil 2: Detaillierte Aufstellung der Hufenbesitzer

Die Struktur der Hofstellen in Henstedt zeichnete sich durch eine ausgeprägte Stabilität aus: Die Zahl von 18 Vollhufen blieb von Beginn des 16. Jahrhunderts bis zur Verkoppelung im Jahr 1793 unverändert. Im Laufe der Zeit traten Drittel-, Viertel- und Achtelhufner sowie ab 1744 Kätner hinzu.

1. Die 18 Vollhufen (Besitzer laut Flurkarte 1775 & Erdbüchern)

  • Hufe Nr. 1 (Bauernvogthufe): Thies Boje (Bauernvogt). Die Hufe wuchs auf \(1\frac{1}{2}\) Hufen an, da sie um 1601 die wüst gefallene Hufe Nr. 1A („Ohler Hof“) einverleibte. (1684 verkaufte der damalige Bauernvogt Diedrich Tieß ein Landstück an Diedrich Smokins in Kisdorf, was 1693 gerichtlich bestätigt wurde).
  • Hufe Nr. 2: Timm Kröger. War 1713 im Nordischen Krieg wüst geworden, als der Besitzer Jochim Vogt vor den Abgaben floh; wurde 1716 unter Sonderkonditionen von Marx Hamdorf aus Pöhls übernommen.
  • Hufe Nr. 3: Timm Pruns.
  • Hufe Nr. 4: Jürgen Lentfer.
  • Hufe Nr. 6 / 6A: Otto Lohse. 1769 heiratete Otto Lohse die Witwe Cathrina Sielcke (Tochter des Hufners Peter Blunck), wodurch vorübergehend eine Doppelhufe entstand (nach 1795 wieder getrennt). Hufe Nr. 6A entsprang einer im Spätmittelalter stark geschwächten Vollhufe und wurde am 9./11. Mai 1877 als erste Henstedter Vollhufe parzelliert.
  • Hufe Nr. 7: Detlev Ahrens.
  • Hufe Nr. 9: Hinrich Lentfers.
  • Hufe Nr. 10: Hans Wrage.
  • Hufe Nr. 11: Timm Blunk.
  • Hufe Nr. 19: Jürgen Ott.
  • Hufe Nr. 20: Marx Hamdorf.
  • Hufe Nr. 24: Ilsabe Biden.
  • Hufe Nr. 25: Hans Schmock.
  • Hufe Nr. 26: Hans Pohlmann.
  • Hufe Nr. 27: Hans Schümann.
  • Hufe Nr. 28: Jasper Pohlmann.

2. Die Teilhufen (Drittel- und Viertelhufner)

Die Bezeichnung der Teilhufner nach Pfluganteilen entstand erst nach 1665 (vorher wurden sie Alte Kötener, Kleine Kötener und Zubauer genannt):

  • Drittelhufner (1526 gab es 4, ab 1560 dauerhaft 6 Drittelhufen):
    • Nr. 5: Jochim Biehl (lag vor 1750 jahrelang wüst und wurde 1750 an den Insten Jochim Biel verkauft).
    • Nr. 8: Johann Wrage / Hans Wipke.
    • Nr. 12: Um 1560 als erste Hofstelle auf dem Knüll (Dorfanger/Brink) errichtet.
    • Nr. 15: Hinrich Sülau (1759 von Jacob Weber an Albert Grönwoldt verkauft; das Wohnhaus wurde zur Freikate Nr. 37).
    • Nr. 22: Hans Wipke.
    • Nr. 23: Hinrich Schmock (erhielt Ackerland am Dahl Kamp und Kram Beck).
  • Viertelhufner:
    • Nr. 13: Marx Biel.
    • Nr. 14: Claus Lohse.
    • Nr. 16: Hinrich Sülau.
    • Nr. 17: Hinrich Wipke (errichtet zwischen 1526 und 1600 auf dem Knüll).
    • Nr. 18: Detlev Emke.
    • Nr. 19a (bzw. 21): Hans Jochim Cords.

3. Kätnerstellen (Flurkarte 1775)

In der Karte von 1775 verzeichnete Kätner ohne oder mit geringem Landbesitz:

  • Der Holzvogt Sellhorn
  • Hans Kabel
  • Dierck Pohlmann
  • Jürgen Ott
  • Der Baumwärter Hinrich Grönwolt
  • Hans Sülau
  • Hans J. Cords (Abschiedskate von 190a)
  • Hans Vagt (später Otto Lohse)
  • Thoms Weber
  • Die Schulkate

4. Älteste namentliche Steuerliste von 1526 & Westfälische Zuwanderer

Die Amtsrechnung von 1526 nennt erstmals die Namen von 23 Henstedter Steuerzahlern:

Henning Maeß, Tygges Starke Johan, Tymme Wobbeken, Hinrick Maeß, Hennecke Jacobs, Carstenn Harthmann, Clawes Welingk, Henneke Vurynges, Gorrigs Schunemann, Hans Hynnschen, Hinrick Byll, Luder Jeger, Hinrick Schyngkell, Marqu. Offermann, Make Schutte, Hanns Verst, Hinrick Vurynges, Hinrick Schyngkell, Hinrick Lüders, Marqu. Verst, Henneke Schyngkell, Heyne Starke Johan, Hinrick Welingk.

  • Westfälische Zuwanderungsperiode: Familiennamen wie Welingk, Schyngkell, Vurynges und Hynnschen sind westfälischen Ursprungs. Sie übernahmen während der spätmittelalterlichen Pest- und Wüstungszeit (1320–1480) fünf herrenlose Vollhufen und zwei Kätnerstellen. Wegen der strengen sächsischen Ehegesetze verschmolzen sie jedoch kaum mit den einheimischen Geschlechtern und wanderten im 16. Jahrhundert größtenteils wieder ab.

Teil 3: Entwicklung der Dorfverfassung und Einbindung ins Kirchspiel Kaltenkirchen

1. Die innere Dorfverfassung: Das Bauernlag und der Bauernvogt

  • Das Bauernlag: Die Vollversammlung der Vollhufner (Bauernlag oder Dorfschaft) bildete das entscheidende Verwaltungsorgan des Dorfes. Es steuerte die Erschließung von Neuland, wachte über die Einhaltung des Flurzwangs und legte gemeinschaftliche Termine fest (z. B. den Zeitpunkt des Stoppelabtriebs für das Vieh).
  • Der Bauernvogt: Der Inhaber der Hufe Nr. 1 fungierte als Bauernvogt und lokaler Vertreter der Obrigkeit im Dorf.

2. Einbindung in das Kirchspiel Kaltenkirchen (ab ca. 1150)

Henstedt wurde bei der Gründung des Kirchspiels Kaltenkirchen um 1150 diesem zugeschlagen (erste urkundliche Erwähnung 1301). Mit seinen 18 Vollhufen stellte Henstedt knapp 23 % aller Vollhufen des gesamten Kirchspiels (78 Vollhufen verteilt auf 11 Dörfer wie Kisdorf, Lentföhrden, Schmalfeld etc.) und war damit das mit Abstand größte Dorf. Das Kirchspiel erfüllte drei zentrale Funktionen:

  1. Kult- und Verwaltungsbezirk:
    • Die Kaltenkirchener Kirche bildete den religiösen Mittelpunkt für Gottesdienst, Taufe und Beerdigung.
    • Der Kirchspielsvogt vertrat den Schauenburger Landesherrn bzw. den Segeberger Amtmann.
    • Die Bauern gaben den Zehnten (Großzehnte vom Getreide, Schmalzehnte vom Vieh, Neubruchzehnte von Rodungen) an die Kirche und das Hamburger Domkapitel ab.
  2. Wehrbezirk (Wehrgemeinde):
    • Das Kirchspiel bildete einen Aufgebotsbezirk (expeditio / Heerfahrt). Die wehrfähigen Vollhufner zogen in Kirchspielsformationen für den Landesherrn in den Kampf (z. B. 1227 in der Schlacht bei Bornhöved und am 29. August 1317 in der Schlacht auf dem Strietkamp bei Bramstedt).
  3. Gerichtsbezirk (Ding und Recht/ Lotding):
    • Das Kirchspielsgericht tagte vierteljährlich unter freiem Himmel in Kaltenkirchen unter der Leitung des Dingvogts.
    • Die Urteilsfindung lag beim Umstand („alle framen Holsten“) unter Mitwirkung des Affinders (Dingsmanns).
    • Henstedter Bauern traten vor Gericht wiederholt als vertrauenswürdige Vörspracke (Fürsprecher) auf, u. a. Michael Buck (1543), Jochim Welingk (1567) und Hinrich Tieß (1642).

3. Selbstbehauptung als freies Bauerndorf

Im Gegensatz zu Nachbarorten wie Wakendorf oder dem Gut Tangstedt gelang es Henstedt, seine Freiheit gegenüber dem adligen Großgrundbesitz dauerhaft zu bewahren. Dass die Henstedter Bauern ihr Land auch selbstbewusst zu verteidigen wussten, zeigt ein Vorfall vom 28. Juli 1733: Als das Gut Tangstedt Ansprüche auf Ländereien an der Alster erhob, rückten rund 100 bis 200 bewaffnete Bauern unter der Führung des Kaltenkirchener Kirchspielvogts an der Alster ein, um ihre Grenzen zu sichern.

Zusammenfassung d

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert